Es gibt Menschen, die verabscheuen Pornografie – aus vielen Gründen. Andere fühlen sich von solchen Bildern stark angezogen, immer wieder. Das Schweizer Strafgesetz stellt das Konsumieren von Pornografie nicht unter Strafe. Man darf Bilder und Videos betrachten und herunterladen, auch wenn diese alle Varianten von Sex freizügig und in allen Details darstellen.
Das Schweizer Strafgesetz verbietet Pornografie nur in vier Fällen:
Kinderpornografie
Pornografische Darstellungen mit Gewalthandlungen.
Sex zwischen Mensch und Tieren
Pornografische Handlungen im Zusammenhang mit menschlichen Ausscheidungen
Chatforen im Internet
Viele InternetnutzerInnen sind fasziniert von Chatforen. Dort trifft
man Menschen, mit denen man anonym über sehr persönliche Themen
plaudern kann. Manche finden im Chat eine Person, die zuhört und
versteht. So entstehen rasch starke Bindungen. Manche Menschen glauben,
mit jemandem eine tiefe Freundschaft zu haben – dabei kennen sie ihren
Chat-Partner nicht wirklich. Möglicherweise ist er völlig anders, als
er sich beschreibt.
Viele geraten heute in den Sog des Netzes und seiner verführerischen
Inhalte. Englische Untersuchungen haben ergeben, dass das Internet bei
Männern eher zu einer Abhängigkeit von Pornografie führt. Frauen
entwickeln häufiger eine Chatsucht. Die meisten Menschen können damit
gut umgehen. Bei anderen nun wecken Pornokonsum, Cybersex, Chat-Foren
ein starkes Interesse. Mit der Zeit wird das langweilig. Sie wenden ihr
Interesse wieder anderen Dingen zu. Eine Minderheit von Personen
verstrickt sich aber stark in die Sex-Verlockungen des Internets. Diese
Menschen werden im Sinn einer Sucht abhängig vom Internet und Cybersex.
Sie suchen wie unter Zwang nach immer mehr Pornos, nach immer stärkeren
Bildern. Sie interessieren sich plötzlich für Darstellungen, die vom
Gesetz her nicht erlaubt sind (z.B. pornografische
Gewaltdarstellungen). Oder sie werden vom Chat aufgesogen, er wird zur
Ersatzwelt. Sie beginnen auch da, die Grenzen des Erlaubten zu
überschreiten. Männer begeben sich in Kinderchats. Sie belästigen
Kinder mit Fragen nach ihrer Sexualität, suchen abenteuerlustige
Teenies, befragen sie nach ihrer Sexualität, wollen Cybersex –
eventuell mit der Webcam.
Die Sucht nach Internet und Pornografie entwickelt sich schleichend.
Zuerst befindet man sich in einem Gefährdungsstadium. Hier übt das
Internet einen starken Bann aus. Der Aufenthalt im Chat wird als
beglückend und erstrebenswert erachtet. Oder man sucht nach Pornoseiten
und allen möglichen Varianten von Cybersex. In diesem Stadium haben die
Betroffenen ihr Verhalten aber noch mehr oder weniger in der Hand.
Im
kritischen Stadium dann nimmt der Zwang deutlich zu. Jetzt wird es für
die Betroffenen immer schwieriger, sich vom Internet zu lösen. Sie
verbringen viel Zeit im Internet und geben dabei Geld aus.
Im
chronischen Stadium befindet sich der Betroffene in einer starken
Abhängigkeit. Das Suchtverhalten bestimmt sein Leben. Die Person lebt
für die Zeit im Internet, sucht nächtelang nach Pornos, befindet sich
fast ständig im Chat. Menschen spüren, dass Beziehungen dort wichtiger
werden als das reale Leben. Cybersex in allen Formen wird zu einer
wesentlichen Ausdrucksweise des eigenen Sexuallebens.
Folgende
Merkmale treten in allen drei Stadien der Internet- und Pornosucht auf.
Sie verdichten sich aber von Stadium zu Stadium immer mehr, bis
schliesslich alle zusammen zutreffen.
Sexuelle Inhalte im Internet üben eine starke Faszination aus.
Man hält sich auf Sexseiten im Internet oder im Chat auf, oft längere Zeit als man möchte.
Man will diesen Sex-Konsum im Internet kontrollieren: Man will aufhören, weniger präsent sein – doch es gelingt nicht.
Man wird kribbelig und nervös, wenn man bewusst wegbleibt und
aufhören will. Sobald man im Netz ist, kehrt aber eine Ruhe und
Befriedigung ein.
Internetsex wird zur Lösung, um schlechte Gefühle oder
Probleme zu beseitigen. Man fühlt sich dabei besser, weniger depressiv,
Lebensängste verschwinden.
Man besucht täglich und nächtlich stundenlang das Internet,
um intensivere oder riskantere sexuelle Erfahrungen zu finden.
Man verheimlicht diese Tätigkeit vor nahen Personen, der
Familie, einem Therapeuten. Man ertappt sich bei täuschenden Aussagen
wie: «Ich bin gar nicht so oft da», «Mir sagt das nichts – ich will ja
nur mal ein bisschen rumschauen».
Man überschreitet Grenzen: man geht Partner im Chat
aggressiv an, versucht sie mit seinen sexuellen Fantasien zu bedrängen,
will Cybersex mit der Kamera oder scheut sich nicht davor, nach
Kinderpornografie oder Gewaltpornos zu suchen. Man benötigt immer
stärkere Reize – auch solche, die verboten sind.
Eine Partnerbeziehung geht in die Brüche, man fällt am
Arbeitsplatz mit seinem Interesse am Internetsex auf, wird verwarnt,
verliert eventuell sogar die Stelle.
Wegen der Internetsucht gerät das Leben völlig aus den Fugen. Die Sucht führt zu schweren Finanzproblemen.
Machen Sie den folgenden Test! Denken Sie über das Ergebnis nach. Ehrlich und selbstkritisch! Wie
bei jeder Sucht beginnt auch der Weg aus der Internetabhängigkeit und
Pornosucht mit Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Der Süchtige gesteht
sich ein, dass er ein Problem hat, er anerkennt, dass er Hilfe benötigt.
Test: Internet- und Pornosucht, bin ich gefährdet?
Wenn
Sie mehrere der folgenden Fragen mit Ja beantworten können, sind Sie
mit hoher Wahrscheinlichkeit gefährdet. Internetsucht, Pornosucht,
Sexsucht. Dagegen können Sie etwas tun. Ignorieren Sie Ihr Problem
nicht länger und holen Sie sich Hilfe. Ein guter Therapeut kann Sie
dazu anleiten, Ihr Verhalten wieder in den Griff zu bekommen. Dadurch
wird Ihr Leben erfüllter.
Wenn Sie im Bereich Internetsucht oder Pornosucht Probleme haben,
benötigen Sie fachliche Hilfe. Wenn Sie in sich eine starke Neigung zu
Pornografie im Grenzbereich der Legalität verspüren, benötigen Sie eine
spezielle Beratung und Therapie. Suchen Sie eine entsprechende
Beratungsstelle auf, einen geeigneten Psychotherapeuten oder einen
Psychiater. Verschiedene Stellen helfen Ihnen bei dieser Suche gerne
weiter.
Wenn
Sie bereits Umgang mit Kinderpornografie und anderen Formen strafbarer
Pornografie haben, übertreten Sie bereits das Gesetz. Höchste Zeit,
aufzuhören und sich helfen zu lassen! Handeln Sie jetzt! Bei vielen ist
es nämlich erst die offizielle Anzeige, die ihnen klar macht: So darf es
nicht weitergehen! Warten Sie nicht, bis es soweit ist. Lernen Sie
deshalb Selbstkontrolle, nicht nur kurzfristig. Diese muss auch
funktionieren, wenn es Sie wieder ‚juckt’. Ihre nächsten Schritte:
Stellen Sie den Computer an einen überwachten Ort.